Nostalgischer Bandsalat: die Erfindung des VHS-Videorekorders

Eben noch hipp – heute ein Stück Technik-Nostalgie: Als der VHS-Videorekorder 1976 erfunden wurde, setzte er einen Meilenstein für die massentaugliche Mediennutzung. Während der kommenden drei Jahrzehnte war er aus deutschen Haushalten kaum wegzudenken, bis ihn die DVD zum Ladenhüter machte. Eigentlich begann die Geschichte des Videorekorders aber schon viel früher, in den 1950er-Jahren.

Mit der Schrägspur in die Erfolgsspur

Die britische Fernsehanstalt BBC besaß bereits 1952 eine eigene VERA (Vision Electronic Recording Apparatus). Der mannshohe Rekorder arbeitete mit Spulen und Magnetbändern, die mehr als einen halben Meter breit waren. Als erstes Heimgerät wurde der Loewe Opta Optacord 500 1961 auf der Berliner Funkausstellung einem staunenden Publikum präsentiert. Das Gerät war immer noch so groß, dass es auf einem fahrbaren Untersatz montiert wurde. Es war keineswegs serienreif und wurde nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt.

Bandsalat einer VHS-Videokassette – Maddin69 / pixelio.de

Der Innovationssprung von VERA zu Optacord ist übrigens dem deutschen Ingenieur Eduard Schüller zu verdanken, dem Erfinder der sogenannten Schrägspuraufzeichnung. Dank dieser neuen Technik musste das Magnetband nicht mehr auf fünf Meter pro Sekunde beschleunigt werden, sondern bewegte sich schräg und mit hoher Relativgeschwindigkeit entlang des rotierenden Videokopfes. Die mittelfristige Folge waren immer schmalere, kürzere, haltbarere und leistungsfähigere Magnetbänder.

Die Erfindung VHS setzt sich durch

In den 1970er-Jahren traten vor allem japanische und europäische Unternehmen bei der Erfindung neuer Videotechniken hervor. Philips bot seit 1971 seine „VCR-Rekorder“ an, während Sony das „U-matic-System“ auf den Markt brachte. 1975 folgte „Betamax“, ebenfalls von Sony, und erst 1976 das „Video Home System“ (VHS) des japanischen JVC-Konzerns. In den kommenden Jahren sollte VHS alle anderen Lösungen vom Markt verdrängen oder zu einem Nischendasein verdammen. Aber warum?

Aus heutige Sicht hat vor allem die Football-Leidenschaft der wichtigen US-amerikanischen Käuferschaft für den entscheidenden Startvorteil gesorgt. Denn der VHS-Rekorder HR-3300 erlaubte etwas längere Fernsehaufnahmen als die konkurrierenden Systeme – gerade ausreichend lang, um ein Footballspiel komplett aufzuzeichnen. Diesen Vermarktungsvorsprung ließ sich JVC – wohl auch durch kluge Lizenzpolitik – nie wieder nehmen. Durchaus fortschrittlichen Videoformaten wie Betamax und Video 2000 blieb nur eine Statistenrolle.

Seit dem Jahr 2016 ist das alles Geschichte: die Produktion von Videorekordern und VHS-Kassetten wurde mangels Nachfrage eingestellt. In der digitalen Welt haben analoge Systeme keine echte Überlebenschance, ist das leise Surren der Spulen ein Anachronismus geworden. Oder etwa nicht?

Daten sichern, bevor es zu spät ist

Noch immer liegen Millionen von VHS-Kassetten (und auch einige anderer Formate) in deutschen Regalen, gefüllt mit Erinnerungen und fast unwiederbringlichen Aufnahmen. Diese empfindlichen Schätze wollen gepflegt werden, denn Feuchtigkeit nagt an der magnetisierten Chromdioxid-Beschichtung, Magnetfelder von Lautsprechern und Bohrmaschinen löschen unbemerkt Daten, Hitze und Kälte setzen den Aufnahmen zu. Mehr als 20 (allerhöchstens 35) Jahre hält das kein Magnetband aus. Das Einzige, das dauerhaft hilft, ist eine Datenrettung. Eine Anleitung dafür gibt es bei dem Multimedia-Software-Anbieter Movavi.

Wir dürfen gespannt sein, wann wir mit leichter Rührung an die Zeiten der DVD zurückblicken werden und alle Daten auf die übernächste Generation der Speichermedien überspielen werden.